Kreisklasse 2: Juventude-Aus nach Wohld-Rücktritt?
18.11.2010

Seit Juventude do Minho im Sommer 1987 auf die Hamburger Fußball-Landkarte kam, war Hauke Wohld mit dabei. Von einem kurzen Abstecher zu HIRA Kurdistan SV abgesehen, war Wohld bei Juventude stets als Trainer aktiv. In den letzten drei Jahren war Wohld auch Fußball-Abteilungsleiter des portugiesischen Klubs, der zukünftig nicht mehr an der Fährstraße, sondern an der Rahmwerder Straße auf dem Platz des SV Vorwärts 93 Ost seine Heimspiele absolviert.

Diese Entscheidung nahmen viele Spieler und Wohld dem Juventude-Vorstand übel – und Wohld trat daraufhin zurück. Im SportNord-Interview spricht der 66-Jährige über diesen konsequenten Schritt und die Zukunft von Juventude ...


SportNord: Ist für Sie ein Rücktritt vom Rücktritt, sprich ein Verbleib bei Juventude, möglich?
Hauke Wohld: „Nein. So, wie die Sachlage ist, werde ich nicht mehr zu Juventude zurückkehren!“

SportNord: Auf der Internet-Seite des Hamburger Fußball-Verbandes werden Sie bei Juventude als Herren-Obmann, Schiedsrichter-Obmann und Pass-Verantwortlicher genannt, zudem waren Sie Trainer. Waren Sie so etwas wie das ‚Mädchen für alles‘ bei Juventude?
Wohld: „Ja, in den letzten Jahren habe ich die ganze Fußball-Abteilung des Vereins am Leben erhalten. Diese Sparte war bei Juventude schon einmal am Boden zerstört, aber ich habe dafür gesorgt, dass eine neue Erste Herren-Mannschaft aufgebaut wird, die in der Kreisklasse 2 in dieser Saison eine gute Rolle spielt, und ein Zweites Herren-Team entstanden ist, dass in der Kreisklasse 9 ebenfalls ordentlich dabei ist und leistungsmäßig gar nicht so weit von der Ersten Mannschaft weg ist ...“

SportNord: Denken Sie, dass Sie mit der Ersten oder Zweiten Mannschaft in dieser Saison sogar den Aufstieg hätten schaffen können?
Wohld: „Wenn es geklappt hätte, hätten wir das gerne mitgenommen. Aber so, wie es zuletzt aussah, gibt es in beiden Kreisklassen-Staffeln einige Mannschaften, die etwas stärker sind und die ich dementsprechend am Ende etwas weiter vorne sehe als die beiden Juventude-Teams.“

SportNord: War das der Grund für Ihren Rücktritt?
Wohld: „Nein, keinesfalls! Vielmehr war es so, dass es Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand gab. In den letzten Jahren hatten mich die Herren aus dem Vorstand immer in Ruhe arbeiten lassen; und immer, wenn ich etwas wollte, konnte ich zu ihnen gehen und meine Wünsche äußern. Nun hatte das Bezirksamt beschlossen, das der Sportplatz an der Fährstraße, wo wir in den letzten Jahren immer trainierten und unsere Heimspiele absolvierten, zum 1. Oktober 2010 geschlossen wird. Daraufhin haben wir mit dem Bezirksamt einen Nutzungsvertrag geschlossen, dass wir zukünftig am Perlstieg trainieren und am Rotenhäuser Damm unsere Heimspiele bestreiten können, worüber unsere Spieler auch sehr glücklich waren: Beide Sportplätze sind innerhalb von nur wenigen Minuten von einer Bushaltestelle aus erreichbar, was sehr wichtig war, weil viele unserer Akteure kein eigenes Auto haben ...“

SportNord: ... so weit, so gut. Wann traten die Meinungsverschiedenheiten auf?
Wohld: „Weil wir unsere Sportbekleidung und Trainingsutensilien am Perlstieg momentan noch nicht lagern konnten, hatte uns das Bezirksamt erlaubt, zunächst weiter an der Fährstraße, wo wir auch ein Flutlicht hatten, zu trainieren; nur Spiele durften dort nicht mehr ausgetragen werden. Während der FC Zaza, der bis zuletzt mit uns an der Fährstraße spielte, an die Slomanstraße zog, freuten wir uns also auf eine Zukunft am Rotenhäuser Damm, alles war geklärt – bis ich hinter meinem Rücken plötzlich hörte, dass unser Vorstand beschlossen haben soll, dass wir zukünftig auf dem Platz des SV Vorwärts 93 Ost an der Rahmwerder Straße trainieren und spielen sollen. Zwei Mal habe ich den Vorstand zur Rede gestellt, aber keine Antwort bekommen. Dann bat ich um eine Sitzung, auf der mir dann knallhart mitgeteilt wurde: ‚Wir gehen zu Vorwärts Ost, Basta!‘ ...“

SportNord: Wie haben Sie auf diese Aussage reagiert?
Wohld: „Ich habe den Herren vom Vorstand genauso knallhart entgegnet: ‚Wir gehen definitiv nicht zu Vorwärts Ost!‘ Die Spieler unserer beiden Mannschaften wollen an der Rahmwerder Straße, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr schlecht zu erreichen ist, weder trainieren, geschweige denn ihre Heimspiele absolvieren. Der Vorstand war von der Idee, zukünftig bei Vorwärts Ost zu spielen, aber nicht mehr abzubringen und auf meine Frage, wieso darüber denn vorab nicht mit mir gesprochen worden wäre, bekam ich keine Antwort. Als ich dann zu bedenken gab, dass deshalb wohl zahlreiche Spieler den Verein verlassen würden, entgegnete die Vereinsführung: ‚Wer gehen will, der kann weggehen!‘ Daraufhin sagte ich: ‚Gut, dann gehe ich auch!‘ ...“

SportNord: Wie wird es ohne Sie bei Juventude weitergehen?
Wohld: „Das weiß ich nicht. Ich werde jedenfalls neben dem Trainer-Amt auch meine Tätigkeit als Schiedsrichter-Obmann niederlegen. Am Freitag will der Vorstand mit den Spielern reden ... Aber so, wie ich das sehe, wird das nichts bringen, sondern die meisten Akteure werden den Klub verlassen. Es ist wirklich schade um den Verein, denn mir hat die Arbeit in all den Jahren immer wieder sehr viel Spaß gemacht – und ich würde es sehr bedauerlich finden, wenn jetzt alles kaputtgehen würde. Leider hat auch der Erste Vorsitzende, mit dem ich in den letzten Jahren immer gut ausgekommen war und mit dem man jederzeit reden konnte, sein Amt niedergelegt, was aber nichts mit meinem Rücktritt und der Sportplatz-Diskussion zu tun hatte!“

SportNord: Befürchten Sie, dass Juventude zumindest eines der beiden Kreisklassen-Teams vom Spielbetrieb wird abmelden müssen?
Wohld: „Als ich die Herren vom Vorstand fragte, wie sie es sich für die Zukunft vorstellen, sagten sie nur, das müsse ja nicht mehr meine Sorge sein ... Gut, das ist es nun auch nicht mehr. Ich weiß nicht, was sie mit den Verantwortlichen von Vorwärts Ost besprochen haben, könnte mir aber gut vorstellen, dass Juventude mit diesem Verein zukünftig in irgendeiner Form kooperieren oder sich sogar zusammenschließen will. Das ist nur eine Vermutung, aber warum sollten sie sich sonst so vehement dafür eingesetzt haben, auf den Platz an der Rahmwerder Straße zu ziehen? So oder so ist es schade, dass ich nach so vielen Jahren bei Juventude so abserviert werde!“

SportNord: Haben Sie nun, nach dieser negativen Erfahrung und einem ebenfalls nicht gerade positiven Abstecher zu HIRA, erst einmal genug von südländischen Vereinen?
Wohld: „Nun ja, bei Juventude haben ja fast gar keine Portugiesen mehr gespielt; die sind damals, als es noch um finanzielle Dinge ging, alle weggegangen ... Ich habe jetzt keinen Druck mehr, bei Juventude eine neue Mannschaft aufbauen und am Leben erhalten zu müssen – und das tut mir ganz gut, mit 66 Jahren bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste. Als Trainer werde ich erst einmal eine Pause einlegen, aber als Schiedsrichter werde ich weiter machen: Entweder für Rot Weiss Wilhelmsburg oder für den SV Wilhelmsburg, ich kenne beide Vereine sehr gut, möchte ich zukünftig pfeifen ...“

SportNord: Glauben Sie, dass die Juventude-Mannschaften am Sonntag, 21. Oktober, zu ihren Punktspielen gegen den Club Eti beziehungsweise den SC Eilbek II, beide Partien sind für den Rotenhäuser Damm angesetzt, antreten?
Wohld: „Ich hoffe sehr, dass die Spieler beider Mannschaften so vernünftig sind und zumindest noch an diesem Wochenende ihre Spiele absolvieren. Ich werde den Spielern auch noch einmal nahelegen die Sache, wenn es irgendwie möglich ist, zumindest bis Weihnachten durchzuziehen – aber letztlich müssen die Spieler das selbst entscheiden. Fakt ist: Ich war immer sehr eng mit den Mannschaften zusammen, und wenn dann der Kopf eines Teams weggeht und die Spieler ebenfalls abwandern, sieht es immer so aus, als hätte der Trainer den Spielern den Vereinswechsel nahegelegt ... Aber ich habe definitiv nicht dafür gesorgt, dass irgendein Spieler Juventude verlässt!“


Interview: Johannes Speckner

Link: SportNord-Interview vom 08.05.2008 mit Hauke Wohld über die Zustände bei Juventude

Kommentare zum Artikel:
- RE: öpnv (scvw 19.11.2010 23:20)
- RE: öpnv (insulaner 19.11.2010 00:10)
- öpnv (scvw 18.11.2010 20:37)




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